
27.11.2009 - 18:00 Uhr
Nikolaus Brass und Daniel Libeskind
im Gespräch mit Sonia Simmenauer
Daniel Libeskinds Jüdisches Museum Berlin
gehört heute wohl zu einem der bedeutendsten architektonischen Bauten des 20.
Jahrhunderts und den spektakulärsten Museumsbauten Deutschlands. Von Anfang an
war das Museum ein Publikumsmagnet. Ohne Zweifel war es die Architektur, die
dem Museum seine Popularität zunächst bescherte.
Der Grundriss des Neubaus des Jüdischen
Museums Berlin hat eine Form, die am ehesten einem Zickzack entspricht. Der
Architekt Daniel Libeskind hat das seinem Gebäudeplan zugrunde liegende
Gedankenmodell in zwei Linienformen umgesetzt. Die Kombination beider Linien formt
den Baukörper.
Die erste Linie ist mehrfach geknickt und
gewunden. Die zweite gerade Linie durchstößt das gesamte Gebäude. Die
Schnittstellen beider Linien bilden vertikale Leerräume - »Voids« -, die das
Gebäude vom Erdgeschoss bis unter das Dach gliedern. Beide Linien setzten sich
imaginär, so Libeskind, unendlich im Berliner Stadtraum fort.
Nikolaus Brass’ Kompositionen VOID I und
VOID II sind Reflex einer Erfahrung im Jüdischen Museums Berlin von Daniel
Libeskind, dessen damals noch leer stehenden Erweiterungsbau Nikolaus Brass
1999 besuchte. Von den bizarren, das schiere Nichts bergenden Gelassen und den
totwinklig konzipierten Nischen im Inneren des dekonstruktivistisch
inspirierten Gebäudes von Daniel Libeskind ließer sich anregen zur Komposition seines Stückes VOID für
Klaviersolo.
Ähnlich, wie der Architekt Daniel
Libeskind mit den ‚voids', den leer belassenen Räumen, auf das irreversible
Fehlen von etwas einst Anwesendem verweist, versteht Brass die strukturellen
Leerräume im Tonsatz seiner Musik als vacua, die das "Gebäude des
Klingenden tragen und zugleich in Frage stellen".
Kampnagel / k6
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