KLANGWERKTAGE: BESUCHERZAHL VERDOPPELT
Fest für die Neue Musik
Hamburger Abendblatt, 30. November 2009
von Ilja Stephan
HAMBURG. Mit einer interessanten Podiumsdiskussion und einem durchwachsenen Konzert sind am Freitag auf Kampnagel die vierten Hamburger Klangwerktage zu Ende gegangen. In einem von der Konzertagentin Sonia Simmenauer einfühlsam moderierten Gespräch diskutierten Stararchitekt Daniel Libeskind und Komponist Nikolaus Brass darüber, wie man die Lücke, die ein unwiederbringlicher Verlust hinterlässt, künstlerisch erfahrbar machen kann.
Im anschließenden Konzert zeigte sich, dass Brass besser räsoniert als komponiert. Die endlos repetierte Schmerzensgeste in seinem minimalistischen Klavierstück VOID I machte leider nur die Abwesenheit von Ideen erfahrbar. Auch die von den Hamburger Symphonikern mit viel Geduld absolvierte Orchesterfassung VOID II hatte dem nichts hinzuzufügen. Ein unmotiviert ins Programm eingeschobenes Schubert-Impromptu, brav gespielt von Florian Hoelscher, irritierte mehr, als dass es beglückte.
Eine reine Lust war es dagegen, das Boulanger Trio mit Wolfgang Rihms "Fremde Szene" I und II zu erleben. Zupackend und mit emotionalem Dauerhochdruck realisierten die drei Musikerinnen Rihms süffige Hochromantik-Simulation.
Dem dramaturgischen Wackler im Abschlusskonzert zum Trotz kann man der Leiterin des Festivals, Christiane Leiste, zu ihrer Neuauflage der Klangwerktage nur gratulieren. Sie hat quasi aus dem Stand die Besucherzahl des Festivals mehr als verdoppelt. Etwa 2300 Besucher zählten die Klangwerktage 2009, darunter sicher viele, die durch Prominenz wie Daniel Libeskind oder den glücklich gewählten Schwerpunkt "Musik und Raum" gelockt wurden.
Dank ihrer exzellenten Vernetzung in der Stadt und klug geknüpfter Kontakte zur HafenCity-Universität, zur Musikhochschule und zu lokalen Ensembles ist Leiste gelungen, was man kaum noch für möglich gehalten hatte: Die Hansestadt hat wieder ein Neue-Musik-Festival, das angenommen wird. Wichtige Förderer haben bereits signalisiert, die Klangwerktage zu unterstützen. Es geht also!(ist)
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