KLANGWERKTAGE: WOLF LEPENIES
Erhellendes zu Kurtág
Hamburger Abendblatt, 28. November 2009
von Ilja Stephan
HAMBURG. Für ihre "Hommage à György Kurtág" in der Laeiszhalle hatte die Leiterin der Klangwerktage, Christiane Leiste, Wolf Lepenies als Laudator eingeladen. Als bekennender Nicht-Fachmann in Sachen Neue Musik fand der Soziologe erhellende Worte für den Menschen Kurtág: "Willen zur Unbedingtheit" und "fanatische Genauigkeit" schrieb er dem Komponisten zu und attestierte dessen Kammerkunst "Provinzialität von höchstem Rang".
Wie in den erstklassigen Interpretationen von Maria Husmann, András Keller, Luigi Gaggero und Niek de Groot zu hören war, traf Lepenies' Analyse genau die Perspektive in Kurtágs Musik: Sie erforscht Menschen, Klänge und Befindlichkeiten in bohrenden Nahaufnahmen; Kurtágs Seelenmikroskopie zeigt alles - außer einem freien Horizont. Ihr Spektrum reichte vom zerflatternden Geigen-Tremolo bis zum Kontrabass zerstörenden Wutausbruch.(ist)
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