
Sonia Simmenauer
im Gespräch mit Daniel Libeskind und Nikolaus Brass
Die
Kulturmanagerin, Publizistin und Impresaria Sonia Simmenauer wurde in den
USA geboren, wuchs jedoch in Paris auf. Sie studierte an der Sorbonne
Angewandte Sprachen und ein Semester Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. 1989
machte sie sich mit dem Impresariat Simmenauer in Hamburg selbständig und vertritt
seither eine Reihe der weltweit bedeutendsten Kammermusikensembles und Solisten
wie etwa über 26 Jahre die Alban Berg und Guarneri Quartette, das Arditti String
Quartet, das Artemis, das Tokyo, das Kuss Quartett, u.v.a. oder den Geiger
Gidon Kremer, die Geigerinnen Isabelle Faust und Carolin Widmann, den Pianisten
Andreas Staier oder auch die Komponistin Lera Auerbach. Neben ihrer
hauptberuflichen Arbeit verfolgt Sonia Simmenauer eine umfangreiche Lehrtätigkeit.
2008 eröffnete sie das jüdische Café Leonar samt Jüdischem Salon im Hamburger
Grindelviertel und veröffentlichte ihr viel beachtetes und in den Feuilletons
gefeiertes Buch „Muss es sein“ beim Berenberg-Verlag.
"Der
Besuch des damals noch leeren Jüdischen Museums gehört zu den stärksten
Eindrücken, die ich erinnern kann. Obwohl (oder weil) es leerstand,
erschien es mir so voll zu sein, voller als es jetzt ist, weil der Inhalt von der
schweren Leere ablenkt. Aber der Moment, der mich am stärksten getroffen hat, war,
als ich eines der "Voids" betrat und die Tür zuschlug. Das - wie
mir schien - ohrenbetäubende Geräusch der zufallenden Tür und die schreiende
Stille, die folgte, wurden zu einem Ur-Hörerlebnis. Ich bin danach mehrfach wieder
hingegangen, fortan immer zwiespältig: ich hatte Angst, dies nochmals zu
erleben, gleichwohl suchte ich es unbedingt wieder zu tun. Obwohl ich viele der
Projekte, die im Jüdischen Museum verfolgt werden, sehr wertvoll und
wichtig finde, bedauere ich, dass das Gebäude seinem Zweck übergeben
wurde. Ich empfand den Ort - im leeren Zustand - als einen der
ganz wenigen, die eine Begegnung mit sich selbst in dieser Intensität
erlauben. Daraus ein Musikstück zu machen, erscheint einerseits als sehr
natürlich, andererseits kühn. Man darf sehr gespannt sein." |